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  • Christian Wolff

Handbestäubung von Kakaoblüten



Im November 2018 besuchten die Göttinger Agrarökologen Dr. Thomas Cherico Wanger und Manuel Toledo Hernandez (inzwischen beide an der Westlake University of China) zum ersten Mal AMAP Brasilien und die Fazenda Bom Pastor. Gemeinsam wollten wir die Zusammenarbeit in der Kakaoforschung besprechen und Projektideen skizzieren. Dies sollte der Startschuss für das EAI-Projekt sein, das jedoch aufgrund der Covid-Pandemie erst 2022 realisiert werden konnte. Da wir uns aber bereits vor Ort zusammengefunden hatten und nicht nur theoretisch planen wollten, beschlossen wir, ein kleines, spannendes Projekt umzusetzen, das nur wenige Monate dauern würde - von der Kakaoblüte im November bis zur Ernte der Kakaofrüchte Mitte des folgenden Jahres. Alle Mitarbeiter von AMAP waren an diesem Projekt beteiligt und es mussten viele Überstunden über Weihnachten und Neujahr 2018/19 geleistet werden. Das Ergebnis der Arbeit ist ein wissenschaftlicher Artikel, der im Oktober 2023 veröffentlicht wurde.


In einem Feldexperiment wird versucht, die Erträge durch Handbestäubung von Kakaoblüten zu optimieren. Kakaoblüten werden von Wildinsekten bestäubt. Die ökologischen Bedingungen für Bestäuber im Agroforst sind entscheidend für den Bestäubungserfolg. Doch selbst bei guten ökologischen Bedingungen gibt es eine Lücke zwischen dem tatsächlichen und dem potenziellen Ertrag. Diese Ertragslücke wird auf konventionellen Kakaofarmen mit synthetischen Düngemitteln und Pestiziden reduziert. Dies ist bei einer ökologischen Bewirtschaftung nicht möglich und schadet auch den potenziellen Bestäubern und der Artenvielfalt.





Die Studie konnte zeigen, dass die Verbesserung der Bestäubung durch Handbestäubung in Verbindung mit einer ausreichenden Beschattung durch das Kronendach und der Nutzung ertragreichen Sorten ein wichtiger Faktor für die Steigerung des Ertrages von Kakaobäumen in Agroforst-Systemen in Brasilien ist. Im Gegensatz zur natürlichen Bestäubung kann die Handbestäubung den durchschnittlichen Fruchtansatz um 331 % und die Ausbildung von reifen Früchte um 300 % steigern. Der Arbeitsaufwand für die Handbestäubung liegt bei ca. 5 Minuten pro Baum, um 10% der Blüten eines Baum zu bestäuben. Auf der Grundlage der Ergebnisse empfehlen die Autoren drei Maßnahmen, um die Vorteile der Handbestäubung für Kakaobauern zu nutzen:


  • Handbestäubung von mindestens 10% der Kakaoblüten eines Baumes

  • bei ausgewählten veredelten Hochertragssorten

  • mit einer Beschattung von 40-50%.


Dieses Experiment konnte zeigen, dass die Handbestäubung eine einfach anzuwendende Methode ist, um die Erträge zu steigern und das Einkommen der lokalen Kakaobauern zu verbessern, insbesondere in Agroforst-Systemen mit einer Beschattung von 40-50%. Dadurch entstehen Win-Win-Möglichkeiten für eine hohe Produktivität und die Erhaltung der Klimaresilienz und der Biodiversität.


Das Monitoring der Kakaobestäubung im Rahmen des EAI-Projektes stützt sich unter anderem auf die Ergebnisse dieser Studie und konzentriert sich auf die Bestäuber-ökologie des Kakaos.





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