Landkauf Fazenda Santa Rita

Mit dem Kauf der 202 Hektar großen Fazenda Santa Rita plant AMAP Brasilien akut, einen wichtigen Hotspot der Goldkopflöwenäffchen zu sichern. Neben 35 Hektar Weidefläche verfügt Santa Rita auch über 145 Hektar Cabruca (Kakaowald). Für den Kauf werden umgerechnet rund 500.000 Euro benötigt. Um den Kauf vertraglich abzusichern, ist bis Ende August 2020 eine Anzahlung von 20 Prozent des Kaufpreises vonnöten.


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Der Kauf ermöglicht AMAP Brasilien, …

… die ehemaligen Weideflächen der Fazenda Santa Rita wiederaufzuforsten. Wie im Zuge der Aufforstungen auf dem nahe gelegenen Vereinssitz, der Fazenda Bom Pastor, wo bereits rund 30 000 Bäume für einen Wildtierkorridor unter Beteiligung von Freiwilligen gepflanzt worden sind, sollen auch auf Santa Rita Setzlinge heimischer Arten (die sich beispielsweise für Schlaf- und Futterbäume für die Goldkopflöwenäffchen besonders gut eignen, wie Prof. Dr. Leonardo de Carvalho Oliveira in seiner Forschung ermittelt hat, von der lokalen Baumschule Floresta Viva bezogen werden.


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… die dortigen Äffchengruppen langfristig zu sichern, und im Rahmen weiterer Forschungsprojekte neben der bereits besenderte Äffchengruppe weitere Familienverbände zu erforschen. Im vergangenen Jahr wurden die von AMAP Brasilien besenderten Äffchen von der BBC und vom japanischen Staatsfernsehen besucht, wodurch die Familienverbände der Äffchen über Brasilien hinaus eine dringed notwendige Öffentlichkeit erfahren haben. Zwei des dreizehnköpfigen festangestellten Projektteams von AMAP Brasilien vor Ort bilden das Goldkopflöwenäffchen-Team: Bila, der die Äffchen bereits seit mehr als 20 Jahren erforscht, sowie Vicente, der im Rahmen seiner Doktorarbeit in den kommenden drei Jahren das aktuelle Verbreitungsgebiet der Goldkopflöwenäffchen kartiert. Die wissenschaftliche Leitung obliegt Dr. Leonardo de Carvalho Oliveira, Professor an der Universität Rio de Janeiro und führender Experte auf dem Gebiet der Goldkopflöwenäffchen. Neben der Erforschung der Äffchen plant AMAP Brasilien, auf Santa Rita eine Bestandsaufnahme von Amphibien und Reptilien durchzuführen, da die Fazenda eines der letzten Rückzugsgebiete dieser Fauna darstellt – bisher konnten bereits mehr als 50 Reptilienarten auf Santa Rita nachgewiesen werden, die Amphibiendiversität wird auf ca. 70 Arten geschätzt.


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… die Cabrucas in die Demeter-Zertifizierung zu geben, um auch hier den traditionellen Kakaoanbau nachhaltig-ökologisch im Einklang mit Artenschutz zu entwickeln. Anlässlich der bereits gestarteten Zertifizierung auf Bom Pastor ist AMAP der örtlichen Cabruca-Kooperative in Ilhéus als Mitglied beigetreten.


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Für den dringlichen Schutz der Fazenda Santa Rita für die Primatologie sowie die Amphibien- und Reptilienforschung der Universitäten Rio de Janeiro und Ilhéus haben sich Dr. de Carvalho Oliveira wie auch Dr. Solé Kienle, Professor an der Universität Ilhéus, im Rahmen zweier Expertisen ausgesprochen:

 

Die Bedeutung der Fazenda Santa Rita für die Goldkopflöwenäffchen

Dr. Leonardo de Carvalho Oliveira

Professor an der Faculdade de Formação de Professores der Universität Rio de Janeiro;
Graduiertenprogramm für Ökologie und Naturschutzbiologie der Universität Ilhéus;
Wissenschaftlicher Direktor am Bicho-do-Mato-Forschungsinstitut;
Vorstandsvorsitzender von AMAP Brasilien

Der Süden des Bundesstaates Bahia ist die Kakaoanbauregion von Brasilien, dadurch ist der Cabruca-Agroforst der dominierende Landschaftstyp. Als Cabruca werden dabei Kakaoplantagen bezeichnet, die im Schatten des Atlantischen Regenwaldes (Mata Atlântica) gepflanzt werden. In den 1990er Jahren bedeckten Cabrucas fast 40 Prozent der ursprünglichen Regenwaldfläche in Südbahia, während noch 33 Prozent mit Mata Atlântica bedeckt war. Cabrucas spielen als Lebensraum eine wichtige Rolle für die Erhaltung der Artenvielfalt der Mata Atlântica, sowohl für Pflanzen- als auch für Tierarten. So sind Cabrucas der vorherrschende Vegetationstyp im östlichen Verbreitungsgebiet der Goldkopflöwenäffchen (Leontopithecus chrysomelas), einer von vier Arten von Löwenäffchen, die im Atlantischen Regenwald in Brasilien endemisch und allesamt als stark gefährdet eingestuft sind (IUCN 2020). 2005 wurde eine Analyse zur Populations- und Lebensraumentwicklung von Löwenäffchen durchgeführt. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass nur eine einzige Population von Löwenäffchen groß genug ist und ausreichend genetische Variabilität aufweist, um einen Zeitraum von 100 Jahren zu überleben (die Population in der Reserva Biológica de Una). Wenn man allerdings ein Metapopulationsszenario mit in Betracht zieht, in dem Primärwaldfragmente über eine Landschaftsmatrix miteinander verbunden sind, in diesem Fall Cabrucas, geeignet für eine Verbreitung von Löwenäffchen, dann ist das Überleben der Goldkopflöwenäffchen in der Wildnis relativ sicher. Der Cabruca-Agroforst spielt also eine bedeutende Rolle im langfristigen Schutz der Goldkopflöwenäffchen. Gleichwohl sind Cabrucas und deren Biodiversität in Brasilien bedroht. Ein seit 1989 anhaltender Preisverfall für Kakao sorgt dafür, dass Cabrucas wenig rentabel sind, und das Aufkommen des Hexenbesens (Moniliophthora perniciosa), einer Pilzerkrankung der Kakaofrüchte, dezimiert die Kakaoernte seit 1989 zusätzlich. Dies zwingt Kakaofarmer dazu, Cabrucas in rentablere Nutzungsformen umzuwandeln oder die Erträge zu erhöhen. Letzteres erfolgt durch eine intensivere Bewirtschaftung, meist durch Verringerung der Schattenbäume pro Hektar. Ein kürzlicher Regierungserlass des Staates Bahia ermöglicht eine Reduktion der Schattenbäume, was einen direkten Einfluss auf die Eignung von Cabrucas als Lebensraum für Goldkopflöwenäffchen hat. Es verringert die Nahrungsverfügbarkeit und die Anzahl an Bäumen, die Schlafmöglichkeiten bieten. Angesichts der rapiden Degradierung des Atlantischen Regenwalds in Bahia, des Gefährdungsstatus der Goldkopflöwenäffchen sowie der sehr schnellen Veränderungen im Cabruca-Management, ist ein besseres Verständnis der Zusammenhänge zwischen Agroforst-Bewirtschaftung und Schlüsselressourcen für die Goldkopflöwenäffchen im Cabruca ein wichtiger Bestandteil jeder Schutzstrategie. In den letzten 11 Jahren haben wir die Goldkopflöwenäffchen der Fazenda Santa Rita beobachtet, um zu verstehen, wie sie die Cabrucas nutzen.

Die beeindruckenden Ergebnisse der Untersuchungen der Goldkopflöwenäffchen auf Santa Rita zeigen:

1. Die Goldkopflöwenäffchen auf Santa Rita sind schwerer und größer, als für diese Art zu erwarten ist,
2. Die Gruppen weisen die kleinsten Habitate auf, die je beobachtet wurden (was zeigt, dass sehr viel Nahrung verfügbar ist),
3. Die Reproduktion auf Santa Rita ist höher als in jedem anderen Habitat, das untersucht wurde
(es wurde die erste Drillingsgeburt in wilden Populationen dokumentiert),
4. Hier konnte, mit 0,21 Individuen pro Hektar, die höchste Dichte für diese Tierart dokumentiert werden.

Die oben genannten Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Cabrucas der Fazenda Santa Rita den Goldkopflöwenäffchen einen optimalen Lebensraum bieten und in dieser Form erhalten werden müssen, nicht nur, um diese wichtige Population zu sichern, sondern auch, um als Modell für andere Cabrucas im Interesse der Goldkopflöwenäffchen zu fungieren. In der näheren Zukunft ist es unser Ziel, die bisherigen Untersuchungen auf die anderen Familienverbände von Goldkopflöwenäffchen auf Santa Rita auszudehnen, um die Gruppendynamiken in diesem beeindrucken Agrarökosystem untersuchen zu können, das die Anforderungen der Goldkopflöwenäffchen erfüllt.

 

Warum die Fazenda Santa Rita besonders aus herpetologischer Sicht schützenswert ist

Dr. Mirco Solé Kienle

Professor für Zoologie an der Landesstaatlichen Universität Santa Cruz. Mitglied der Alexander von Humboldt Gesellschaft und Stipendiat des brasilianischen Wissenschaftsministeriums Kategorie 1A

Die Fazenda Santa Rita liegt im Herzen der „Hiléia Baiana“, einem Teil des Atlantischen Küstenregenwalds, der bis heute viele Gemeinsamkeiten mit dem Amazonas aufweist. Aus zoogeologischer Sicht befinden wir uns hier im größten pleistozänischen Refugium dieses Bioms. In anderen Gebieten des Atlantischen Küstenregenwalds wurde es während der letzten Eiszeiten periodisch kälter und trockener, doch in diesem Abschnitt des Regenwalds in Bahia blieb es hunderttausende von Jahren weiterhin warm und feucht. Deshalb weist dieses Waldgebiet eine solch erstaunliche Biodiversität auf. Neben Arten, die in diesem Biom weit verbreitet sind, finden wir hier auch sogenannte Endemiten: Arten, die nur in Südbahia, manchmal sogar nur im Munizip Ilhéus vorkommen. Auf den Flächen der Santa Rita befinden sich neben vielen Tümpeln auch eine ganze Menge kleinerer Bäche, die ideale Fortpflanzungsgebiete für Frösche darstellen. Die Amphibiendiversität der Fazenda wird auf ca. 70 Arten geschätzt, deutlich mehr als auf anderen Fazendas oder dem Campus der Landestaatlichen Universität Santa Cruz, mit 55 Arten. Dies liegt daran, dass durch die Nähe zum Meer auch noch einige typische „Restinga“-Arten vorkommen. Bei der „Restinga“ handelt es sich um eine Vegetation, die in Küstennähe auf sandigem Boden gedeiht und deutlich lichter ist als der Regenwald. Arten wie Aparasphenodon bunoi und Itapotihyla langsdorffii bewohnen diese Nische. Für die Bromelienfroschgattung Phyllodytes werden die Gebiete um Ilhéus als historische Dispersionzentren angesehen. Von den 15 bis heute beschriebenen Arten können 8 im Munizip Ilhéus angetroffen werden, von denen 5 schon auf dem Gelände der Santa Rita nachgewiesen wurden: P. melanomystax, P. luteolus, P. maculosus und die erst in den letzten Jahren beschriebenen P. praeceptor und P. megatympanum. Eine weitere Art, die in ein paar Monaten aus dem Conduru-Park beschrieben werden wird, kann auch auf der Farm angetroffen werden. An mikroendemischen Arten können folgende Frösche hervorgehoben werden: Sphaenorhynchus pauloalvini, Bokermannohyla capra, Aparasphenodon arapapa und Chiasmocleis crucis. Auch an Reptilien sind bisher über 50 Arten von den Wäldern der Fazenda nachgewiesen worden. Hervorzuheben sind der Gecko Phyllopezus lutzae und die kleinen Laubstreugeckos der Gattungen Leposoma und Coleodactylus, von denen möglicherweise noch unbeschriebene Arten auf der Fazenda vorkommen. An Schlangen wurde schon die äußerst seltene Oxyrhophus formosus und der Buschmeister Lachesis muta von den Kakauplantagen auf der Farm gemeldet.

Die Fazenda Santa Rita stellt eines der letzten Rückzugsgebiete für diese reiche Amphibien- und Reptilienfauna dar und ist aus wissenschaftlicher Sicht besonders schützenswert.

 

Sie möchten AMAP Brasilien helfen, die Fazenda Santa Rita zu sichern:

1) Spende: AMAP ist ein in Deutschland eingetragener Verein (e. V.) und ist berechtigt, Spenden entgegenzunehmen und Ihnen eine Spendenquittung auszustellen. Jeder Betrag ist willkommen und kann auf das Konto von AMAP e. V. in Marburg (IBAN DE19 5139 0000 0050 7124 00) überwiesen werden – Stichwort „Projekt Santa Rita“.

2) Weiterempfehlung an mögliche „Helfer“: Wenn Sie selbst keine Möglichkeit haben, sich an dem Projekt zu beteiligen, aber jemanden aus Ihrem beruflichen oder privaten Umfeld kennen, der an einer der Förderung des Projekts Santa Rita interessiert ist, dann senden Sie doch bitte den Link zu dieser Seite oder gleich das Exposé zu Santa Rita (verfügbar in Deutsch und Englisch) weiter, um die Realisierung des Farmkaufs zu ermöglichen.

Für weitere Fragen können Sie uns gern direkt kontaktieren:

Achim Gresser
1. Vorstand AMAP Deutschland
achim.gresser@amap-brazil.org
+49 176 93175146

Spenden

Mit Ihrer Hilfe können wir viel erreichen, und der Natur und den Menschen an der Kakaoküste Brasiliens helfen!

Vielen Dank!

Trees

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